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Wie ist es für australisches Team zu fahren? Gibt es große Mentalitätsunterschiede im Vergleich zu europäischen Teams?

Die Atmosphäre ist schon sehr entspannt. Alle sind immer super drauf und es gibt meistens was zu lachen! All zu viele Teams kann ich ja auch noch nicht vergleichen. Bei den 3 Jahren mit IAM ging es auch recht locker zu und wir hatten viel Spaß, auch wenn die Uhren ein wenig anders getickt haben! Bei meinen anderen 3 Teams als Profi, Netapp-Endura, Skil/Argos-Shimano und Milram, war es schon etwas angespannter aber alles noch im Rahmen. Kommt halt auch auf die persönliche Situation im Team an.

Wie gelingt dir der Spagat zwischen Straßen- und Bahnradsport?

Seit vielen Jahren doch immer wieder ganz gut!  Es ist aber auch kein leichtes Unterfangen. Die vielen Fahrten meist nach Frankfurt/Oder sind schon sehr Zeitaufwendig und kosten eben zusätzlich Kraft. Ohne Fleiß, kein Preis! Von daher werde ich in den nächsten Jahren den Spagat weiter versuchen zu meistern…

Was macht für dich die Faszination Bahnradsport aus?

Ganz klar die Spannung. Man muss meistens nicht so lange warten, bis man ein Ergebnis hat und weiß wer gewonnen hat. Dann hat man, wenn man im Velodrom sitzt, immer einen kompletten Überblick über das Renngeschehen. Man ist wie auf der Straße sehr dran, aber es geht immer zu Sache und wird nie langweilig.

Welcher Erfolg bedeutet dir am meisten?

Da muss ich Bahn und Straße immer teilen, bzw. beide in einem Atemzug nennen: die Silbermedaille von Peking 2008 und natürlich der Etappensieg beim Giro 2016!

Wolltest Du immer schon Radprofi werden, oder gab es mal einen anderen Berufswunsch?

Als ich 1998 zur Sportschule nach Cottbus gegangen bin hatte ich natürlich diesen Traum, wie viele andere Kinder zu der Zeit sicher auch, der nächste Ulle oder Ete zu werden. Im Laufe der Schuljahre schwanden aber die Hoffnungen. Nach dem Abitur 2005 hatte ich höchstens noch gehofft Sechstageprofi zu werden, aber auf der Straße war ich weit weg von der nationalen Spitze. Es folgte die Ausbildung zum Industriekaufmann… In den 3 Jahren habe ich dann aber doch nochmal einen großen Sprung gemacht und wurde erst Vizeweltmeister und dann auch noch Vizeolympiasieger im Jahr 2008! Anschließend fing ich noch eine Ausbildung zum Brandmeister an der LSTE an. Nach mehreren Siegen auch auf der Straße dann in 2009 wurde ich schließlich im Jahr darauf doch Profi beim Team Milram.

Was denkst Du über die Vergangenheit des Radsports und über seine Zukunft?

Als kleiner Junge fand ich den Radsport natürlich großartig! Die Begeisterung schwand dann im gleichen Zuge wie meine Hoffnungen auf einen Profivertrag als ein Dopingskandal nach dem anderen kam. Dennoch habe ich es weiter versucht und es hat sich ja auch ausgezahlt. Auch wenn meine Generation aus den 80er Jahren immer noch die leidtragende ist und die Missetaten ausbaden müssen, sehe ich für die nächste Generation wieder goldenere Zeiten, speziell für den deutschen Radsport!

Was fühlst Du nach einer Niederlage?

Enttäuschung, klar! Wobei ich jetzt schon lange nicht mehr um den Sieg gefahren bin in meiner Position als Anfahrer auf der Straße. Deswegen kann ich dazu gar nicht so viel sagen. Aber zweite Plätze tun meisten weh in der heutigen Zeit. Es zählen eben fast nur noch Siege!

Was möchtest Du im Radsport noch erreichen?

Ich hätte nichts gegen einen weiteren Etappensieg bei einer großen Rundfahrt. Ein Sieg bei einem Eintagesrennen würde mir auch gefallen, oder ganz einfach gesagt, ein Sieg pro Jahr würde mich schon zufriedenstellen. Nach Silber in Peking habe ich auch noch den Traum von einer olympischen Goldmedaille!

Was bedeutet Familie für Dich?

Familie ist immer wichtig! Sie gibt dir Rückhalt und Unterstützung in jeglicher Lage. Es ist schön zu wissen, das jemand da ist, wenn man nach Hause kommt.